Die Schwälmer Mundart

Die Schwälmer Mundart wird heute hauptsächlich noch von Schwälmern ab dem Alter von 40 aufwärts gesprochen, da diese Generation ihre Kinder vor schlechten Schulleistungen durch das Platt bewahren wollten, lernte es der Großteil der jüngeren Generationen allerdings nicht mehr.
In den Städten hört man es so gut wie gar nicht (mehr). Beispielsweise Neukirchen grenzt sich hierbei komplett aus, da sie sich selbst als Babiller und nicht als Schwälmer bezeichnen.

Das Schwälmer Platt wurde vermutlich unter anderem durch die aus Frankreich geflohenen Hugenotten beeinflusst (z.B. Bürgersteig heißt im Platt und Französisch Truttwar (Schwälmer Schreibweise)).

Es gibt keine definierte Schreibweise für das Schwälmer Platt, also schreibt es jeder wie er es spricht. Das macht es manchmal etwas schwierig Platt zu lesen. Weiterhin differieren manche Worte von Ort zu Ort in geringem Maße, was dem Verständnis in der Regel keinen Abbruch tut.

Die Schwälmer Mundart wird bei zahlreichen Anlässen vorgetragen. Beispielsweise zum Polterabend oder einer Hochzeit im plattdeutschen Raum, erfreut sich die Mundart großer Beliebtheit und präsentiert sich in Gedichten und Vorträgen, die ein Heimat verbundenes Gefühl signalisieren und daher häufig angewandt werden.

Gedichte in Schwälmer Mundart.
Kreizschwerneng, Spaß muß seng!
Autor J.H. & Schwalm, J.H. Kranz

Bie die Ahle, so die Jûnge
(Wie die Alten, so die Jungen)

Von J. H. Kranz


Also – däß mr dovon sprecht –
Eckets harre ee klee Jengche,
On zum nämelichte Stengche¹
Hatt die Dôgg² öch Fôrkeln krecht.
Drėize Steck wânn’s allerett³,
Drėize eß ee gaanze Klonder⁴,
On see wânn öch all schie monder,
Nur ds klinnste konn net met.
Jerer mennt, dâs Deng ging dod –
Ach, dâs wer’che dôch in Jommer!
On de Frä mââcht’s selche Kommer,
Dôch see sät: „Ich weeß in Rot!
Hėi⁵ ds Kend namm ich ens Bett,
On ds Fôrkel kemmt en Decke,
Bann me’sch en die Wėi⁶ da stecke,
Wädd’s dûrchwärmt on eß gerett!“
Bie gesät, so wûdd’s gemââcht:
Heng’en Verhaang kômm d’s Schätzche,
On dâs kleene Schnuckelrätzche
Wûdd nu en die Wėi gestââcht.
Kâum wâr dâs gerâd geschah,
Kômm die schäle Els gträre⁷,
On die fangt Uch o se knäre⁸,
Ach, see mißt ds Kend mol sah.

On se bûchcht⁹ zur Wėi sich râbb,
Bie ee Rädche schnûrrt ds Zengche¹⁰:
„Ach, Ehr Lėit, dâs ächte Jengche!
Ganz dr Ahl met Fuss on Kôp!“

 

On se bûchcht⁹ zur Wėi sich râbb,
Bie ee Rädche schnûrrt ds Zengche¹⁰:
„Ach, Ehr Lėit, dâs ächte Jengche!
Ganz dr Ahl met Fuss on Kôp!“

 

Erläuterungen:
¹ Stündchen. ² Mutterschwein. ³ allen Ritt = jedesmal,
gewöhnlich (sehr beliebtes Flickwort). ⁴ eine ganze
Masse, eine große Anzahl. ⁵ Hier. ⁶ Wiege. ⁷ getreten.
⁸ kneten = salbadern. ⁹ bückte. ¹⁰ Züngelchen.

Kreizschwerneng, Spaß muß seng!



Der wiedergegebenen Text ist dem bekannten Buch in Schwälmer Mundart „Kreizschwerneng, Spass muss seng!“ Bd 1 (1927) von J. H. Kranz und J. H. Schwalm entnommen.




 
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